Heimat bedeutet für mich …

Ich habe mein Junior Fellowship am University of Bayreuth Centre of International Excellence ‘Alexander von Humboldt’ nun abgeschlossen. Angegliedert war ich dem Institut für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bayreuth und Bamberg. Ich werde „mein Schloss“, den Arbeitsplatz des Instituts im beeindruckenden Schloss Thurnau, und die tolle Atmosphäre, die von den dort arbeitenden Menschen geschaffen wurde, sehr vermissen.

In dieser Zeit habe ich viel über Landesgeschichte gelernt – ein Feld, von dessen Existenz ich kaum wusste und dessen unglaubliche Multidisziplinarität mich fasziniert hat. Natürlich habe ich auch viel mehr über Franken und speziell Oberfranken gelernt, eine Region, die mir vor meiner Ankunft hier völlig unbekannt war.

Um mein Deutsch zu verbessern, habe ich einen Kurs mit dem Titel „Sprach- und Kulturvermittlung: Stereotype und Mentalität“ belegt. Dieser erwies sich als unglaublich nützlich, um kulturelle Merkmale zwischen Ländern zu entschlüsseln und zu vergleichen. Eine der Hausaufgaben war es, darüber zu schreiben, was „Heimat“ für mich bedeutet. Diesen kleinen Aufsatz möchte ich hier teilen.


Heimat bedeutet für mich …

Ich bin in Dänemark geboren, in Frankreich aufgewachsen und besitze beide Staatsbürgerschaften. Meine französischen Großeltern wiederum waren polnische Immigranten. Wenn ich das erzähle, fragen die Leute mich oft: „Aber fühlst du dich mehr französisch oder dänisch?“

In dieser Frage sehe ich zwei Voraussetzungen: Erstens, dass Heimat ein Gefühl ist – ein Ort, an dem man sich „zu Hause“ fühlt. Zweitens, dass man nur eine einzige Heimat haben kann.

Meine Antwort lautet meist: „Wenn ich in Dänemark bin, fühle ich mich französisch, weil die Dänen mich als Franzosen betrachten. In Frankreich hingegen fühle ich mich dänisch, weil die Franzosen mich als Dänen sehen.“

Die Weisheit der Antike: Heimat ist, wo man sich wohlfühlt

Eine Marmorbüste von Cicero vor einem orangefarbenen Hintergrund.
Ein klassisches Marmorbüstenporträt von Cicero, das die Philosophie und die Weisheit der Antike repräsentiert.

Doch Heimat ist nicht nur, wie andere mich wahrnehmen, sondern auch, was ich fühle und lieben lerne. „Ubi bene, ibi patria“ – dieses bekannte, verkürzte Zitat stammt aus Ciceros Gesprächen in Tusculum. Darin zitiert er die heute vergessene Tragödie Teucer von Pacuvius:

„Patria est ubicumque est bene.“

Also: „Heimat ist dort, wo ich mich wohlfühle“ – und das kann überall sein.

Die zwei Gesichter des Kosmopolitismus

Ich habe viel über Kosmopolitismus und Weltbürgerschaft gelesen, geforscht und geschrieben. Meine eigene kosmopolitische Philosophie habe ich in die Tat umgesetzt und im Laufe meines Lebens für Arbeit oder Studium in verschiedenen Ländern gelebt. So habe ich unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Geschichten kennengelernt. Jede Sprache ist eine eigene „Weltansicht“, wie Wilhelm von Humboldt schrieb. Ich hatte das Privileg, die dänische, deutsche, englische, französische, italienische und spanische Weltansicht zu erfahren.

Doch dieser Gedanke war nicht immer populär. Am Ende des goldenen Zeitalters des Kosmopolitismus im 18. Jahrhundert veröffentlichte der Schriftsteller Louis-Sébastien Mercier ein Wörterbuch für neue Begriffe. Unter dem Eintrag „Kosmopolismus“ schrieb er:

„Man muss einen Ort lieben; selbst der Vogel, dem das Reich der Lüfte gehört, hängt an einer bestimmten Baumhöhle oder Felsspalte. Wer vom Kosmopolitismus befallen ist, dem fehlen die zartesten Empfindungen, die dem menschlichen Herzen eigen sind.“

Kosmopolitismus galt als eine Art Geisteskrankheit. Das folgende Jahrhundert, geprägt von ethnischem Patriotismus und Nationalismus, konnte ihn nicht verstehen und betrachtete ihn als feindlich. Ende des 19. Jahrhunderts war „Kosmopolit“ zu einem Schimpfwort geworden, das angeblich „schlechte“ Patrioten und andere Menschen ohne „Heimat“ bezeichnete – insbesondere bestimmte ethnische Gruppen, für die im nächsten Jahrhundert eine „Endlösung“ gefunden wurde.

Heimat als innere Schöpfung

Meiner Ansicht nach sollte Heimat nichts sein, das außerhalb von einem selbst liegt – etwas, das man rechtlich besitzen und mit dem Satz „Meine Heimat, nicht deine!“ verteidigen kann. Man baut sich selbst eine Heimat – aus den Elementen, die man liebt. Dafür kann man sich, wie bei Marie Kondos Methode, fragen: „Bringt mir das Freude?“

Ich habe eine Heimat in meinem Kopf und Körper erschaffen, die wirklich mir gehört, denn niemand kann sie mir nehmen. Eine imaginäre Heimat, die bisher europäisch begrenzt ist, da ich noch nie in Afrika, Asien, Südamerika oder im Pazifikraum war. Nur als ich in den USA lebte, fühlte ich mich nicht ganz zu Hause, weil ich das Land als weit entfernt von europäischen Werten empfand – und ich fühlte mich zutiefst „europäisch“.

Ein Verkehrsschild mit der Aufschrift 'Heimat' zeigt in Richtung einer Straße, umgeben von einer ländlichen Landschaft mit blauem Himmel und Feldern im Hintergrund.
Ein Verkehrsschild mit der Aufschrift ‘Heimat’

Vorerst ist meine Heimat eine europäische „Ode an die Freude“ – mit Elementen aus der Toskana, aus Paris, Burgund, Kopenhagen, Madrid, der San Francisco Bay, München…

Und da ich derzeit in Oberfranken lebe:

„Oberfranken ist mein schönes Heimatland,
wo der Main sich schlängelt wie ein Silberband.
Wo der Kuckuck ruft ins weite Tal hinaus –
da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.“


Was bedeutet Heimat für Sie? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren!

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